
Schweizer KMU und ChatGPT-Sichtbarkeit: Reichweite ohne Datenlecks
Schweizer KMU stehen vor zwei KI-Fragen gleichzeitig. Die erste lautet: Wie werden wir von ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews überhaupt als Anbieter genannt. Die zweite: Wie setzen wir KI-Tools intern ein, ohne das revidierte Datenschutzgesetz, die DSGVO oder den kommenden EU AI Act zu verletzen. Beide Fragen sind verbunden, werden aber meistens getrennt behandelt. Dieser Artikel führt sie zusammen und zeigt, wie KMU Reichweite aufbauen ohne Datenlecks.
TLDR
- Zwei Probleme, eine Strategie: Externe KI-Sichtbarkeit (Gesehen-Werden) und interner DSG-konformer KI-Einsatz sind verschiedene Disziplinen, gehören aber in dieselbe Governance.
- revDSG gilt seit 1. September 2023 und verlangt unter anderem ein Verarbeitungsverzeichnis (Art. 12 revDSG) und einen Auftragsbearbeitungsvertrag bei Datenbearbeitung durch Dritte (Art. 9 revDSG).
- EU AI Act: Schulungspflicht seit 2. Februar 2025, Hauptpaket tritt nach aktuellem Stand am 2. August 2026 in Kraft. Eine Verschiebung auf Dezember 2027 durch die Digital-Omnibus-Verordnung ist in Diskussion (Stand April 2026).
- ChatGPT Free und Plus sind für Personendaten ungeeignet, weil OpenAI hier keinen AVV anbietet. Enterprise, Team, Business und API haben einen AVV und Data-Residency-Optionen für Europa.
- CH-Alternativen existieren: Infomaniak AI Tools (Hosting in Genf), lokale Open-Source-LLMs auf Hostpoint- oder Green.ch-Infrastruktur. Modellqualität und Kosten variieren und müssen im Einzelfall geprüft werden.
Das Doppel-Problem der Schweizer KMU
Die meisten KMU denken bei KI entweder nur an Sichtbarkeit oder nur an Datenschutz. Beides auf einmal wird selten durchdacht. Das führt zu zwei typischen Fehlern. Im ersten Fall investiert ein Unternehmen in Inhalte, die ChatGPT erkennen soll, hat aber intern keine Regeln dafür, was Mitarbeitende in ChatGPT eintippen. Kundendaten fliessen ungefiltert zu OpenAI. Im zweiten Fall sperrt ein Unternehmen aus Vorsicht KI-Tools intern komplett, vernachlässigt aber die externe Sichtbarkeit. Es wird von keinem Sprachmodell mehr empfohlen, weil die Website dafür nicht aufbereitet ist.
Die beiden Probleme sind strukturell verschieden. Externe KI-Sichtbarkeit ist eine Frage der Content-Architektur und Messung. Es fliessen keine Kundendaten zu OpenAI. Der Crawler GPTBot liest nur öffentliche Seiten. Interne KI-Nutzung ist eine Frage der Datenflüsse und Verträge. Hier geht es um Auftragsverarbeitung, Transparenz, Einwilligung und Zweckbindung. Ein Leitfaden für Schweizer KMU muss beide Seiten behandeln, sonst bleibt er unvollständig.
Sichtbarkeit nach aussen und eine saubere KI-Policy nach innen gehören in dieselbe Governance. Wer nur eine Seite löst, verlagert das Risiko, statt es zu klären.
Die rechtliche Landschaft: revDSG, DSGVO und EU AI Act
Schweizer KMU unterliegen je nach Tätigkeit mehreren rechtlichen Regimes gleichzeitig. Die Pflichten überschneiden sich, sind aber nicht identisch.
revDSG: seit 1. September 2023 in Kraft
Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG) ist seit 1. September 2023 anwendbar. Für den KI-Einsatz in KMU sind vor allem fünf Pflichten relevant:
- Verarbeitungsverzeichnis (Art. 12 revDSG): Verantwortliche und Auftragsbearbeiter müssen ein Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten führen. Unternehmen unter 250 Mitarbeitenden mit geringem Risiko sind teilweise ausgenommen, das gilt aber nicht automatisch für KI-Nutzung mit Personendaten.
- Auftragsbearbeitung (Art. 9 revDSG): Wer Personendaten durch einen Dritten bearbeiten lässt, braucht einen vertraglich geregelten Auftragsbearbeitungsvertrag (AVV). OpenAI bietet einen AVV in Form des Data Processing Addendum an, allerdings nur für Business-, Team-, Enterprise- und API-Kunden.
- Informationspflicht (Art. 19 revDSG): Betroffene müssen über die Beschaffung und Bearbeitung ihrer Personendaten informiert werden, einschliesslich der Empfänger bei Übermittlung ins Ausland.
- Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 22 revDSG): Bei hohem Risiko für Betroffene ist eine DSFA nötig. Der Einsatz generativer KI für Entscheidungen über Personen kann je nach Ausgestaltung darunter fallen.
- Bekanntgabe ins Ausland (Art. 16 revDSG): Übermittlung von Personendaten in Länder ohne angemessenes Datenschutzniveau braucht zusätzliche Garantien. Die USA gelten nach dem EDÖB nur unter bestimmten Bedingungen (Swiss-US Data Privacy Framework, seit 15. September 2024) als angemessen.
DSGVO: wenn EU-Bezug besteht
Die DSGVO gilt für Schweizer KMU, sobald sie Personen in der EU ansprechen, Produkte oder Dienstleistungen in der EU anbieten oder das Verhalten von EU-Bürgern beobachten. Viele Schweizer KMU fallen darunter, ohne es explizit zu wissen, etwa über einen Online-Shop mit EU-Kunden. Die DSGVO verlangt bei KI-Einsatz analoge Pflichten: Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO, AVV nach Art. 28 DSGVO, Transparenz nach Art. 13 und 14 DSGVO, Dokumentation nach Art. 30 DSGVO.
EU AI Act: gestaffelter Zeitplan
Der EU AI Act ist seit 1. August 2024 in Kraft, wird aber gestaffelt anwendbar. Für Schweizer KMU gilt er direkt, sobald sie KI-Systeme in der EU anbieten oder die Ausgaben der KI in der EU genutzt werden. Zeitplan nach dem Verordnungstext und der offiziellen AI-Act-Referenz:
| Datum | Pflicht |
|---|---|
| 2. Februar 2025 | Verbotene Praktiken (Art. 5) gelten. Schulungspflicht nach Art. 4 für Anbieter und Betreiber. |
| 2. August 2025 | Pflichten für General-Purpose-AI-Modelle (GPAI) wie GPT-4, Claude, Gemini. |
| 2. August 2026 | Hauptpaket: Transparenzpflicht für Chatbots und KI-Inhalte (Art. 50), Hochrisiko-Anforderungen, nationale Sandboxes. |
| Diskussion | Die Digital-Omnibus-Verordnung könnte die Hochrisiko-Pflichten für Annex-III-Standalone-Systeme auf den 2. Dezember 2027 verschieben. Noch nicht beschlossen (Stand April 2026). |
Die Sanktionen sind hoch: Bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes bei verbotenen Praktiken nach Art. 5, bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent bei den meisten anderen Pflichten einschliesslich der Transparenzpflichten nach Art. 50, bis zu 7,5 Millionen Euro oder 1 Prozent bei falschen oder unvollständigen Angaben gegenüber Behörden (EU AI Act, Art. 99). Für KMU gilt jeweils der niedrigere der beiden Beträge (Art. 99 Abs. 6). KMU haben nach Art. 62 zudem vereinfachte Dokumentationspflichten und bevorzugten Zugang zu Sandboxes, eine Grössenbefreiung gibt es aber nicht.
Externe KI-Sichtbarkeit: in ChatGPT genannt werden, ohne Datenlecks
Die gute Nachricht zuerst: externe KI-Sichtbarkeit ist datenschutzrechtlich unkritisch, sofern man sauber arbeitet. Das Ziel ist, dass ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews ein KMU in Antworten erwähnen, wenn Nutzer nach Anbietern fragen. Der Mechanismus: KI-Crawler wie GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot lesen öffentlich zugängliche Website-Inhalte. Daraus bauen die Modelle ihr Wissen über Anbieter und Branchen. Es fliessen keine Kundendaten zu den KI-Anbietern, solange keine Kunden-Login-Bereiche oder Intranets indexiert werden.
Die Hebel für Schweizer KMU sind:
- Konkrete, quantifizierbare Fakten. KI-Systeme zitieren überprüfbare Aussagen. Ein Beispiel: "Treuhandbüro in Luzern mit 18 Mitarbeitenden, spezialisiert auf Gastronomie seit 2006" wird eher zitiert als eine allgemeine Selbstbeschreibung.
- Strukturierte Daten. Schema.org Organization, LocalBusiness, Service, FAQPage. Für die Schweiz relevant: postalAddress mit Kanton, hasPOS mit Öffnungszeiten, knowsLanguage mit de-CH, fr-CH.
- llms.txt im Root-Verzeichnis. Eine Markdown-Datei, die das Unternehmen, Services und Kern-Fakten klar auflistet. Details im llms.txt-Guide.
- robots.txt prüfen. Viele Schweizer KMU-Websites blockieren GPTBot unbeabsichtigt durch zu restriktive Regeln oder CDN-Defaults.
- Konsistenz zwischen Website, LinkedIn und Branchenverzeichnissen. KI-Systeme gleichen Informationen über Quellen ab. Wer auf der Website "Schweizweit tätig" schreibt und auf LinkedIn "Zürcher Kanzlei", verliert Zitierwahrscheinlichkeit.
Datenschutz-Bonus: Sensible Inhalte wie Kundenlisten, Mandantenakten oder interne Preislisten sind davon nicht betroffen, sofern sie nicht öffentlich zugänglich sind. Intranets und geschützte Bereiche bleiben unindexiert. Was aus dem Geschäftsbetrieb sowieso öffentlich ist (Firma, Adresse, Dienstleistungen, Expertise), lässt sich sauber KI-lesbar aufbereiten.
Die technische Umsetzung dieser Hebel vertiefen wir Schritt für Schritt im Leitfaden Website für ChatGPT optimieren. Das übergeordnete Sichtbarkeits-Framework für Firmenkunden behandelt GEO für B2B-Unternehmen.
Interne KI-Nutzung: Free, Enterprise und lokale Modelle im DSG-Vergleich
Hier wird es kompliziert. Die Frage "Dürfen wir ChatGPT nutzen" hat keine einfache Antwort. Sie hängt davon ab, welche Version genutzt wird, welche Daten eingegeben werden und welche vertraglichen Grundlagen bestehen.
ChatGPT Free und Plus: für Personendaten ungeeignet
OpenAI stellt sein Data Processing Addendum vertraglich nur für Business-, Team-, Enterprise- und API-Kunden bereit, für ChatGPT Free und ChatGPT Plus gibt es keinen solchen Auftragsverarbeitungsvertrag. Eingaben können zur Modellverbesserung genutzt werden, wenn die Nutzer das nicht explizit deaktivieren. Ohne AVV darf ein Schweizer KMU nach Art. 9 revDSG keine Personendaten zur Bearbeitung durch OpenAI übermitteln. Für öffentliche Daten, reine Texttransformationen ohne Personenbezug, allgemeine Recherche: nutzbar. Für Kundendaten, Mandantenakten, Personaldossiers, Finanzdaten, Patientendaten: nicht zulässig.
ChatGPT Business, Team, Enterprise und API: mit AVV
Für Business, Team, Enterprise und API-Zugang bietet OpenAI ein Data Processing Addendum. Eingaben werden standardmässig nicht für das Training genutzt. OpenAI bietet seit Februar 2025 Data Residency in Europa für Enterprise-, Edu- und API-Kunden, also Speicherung der Daten in europäischen Rechenzentren (OpenAI: Data Residency in Europe). Seit Januar 2026 ist zusätzlich in-region GPU-Inference in Europa möglich, die Verarbeitung selbst läuft dann ebenfalls in der Region. Für revDSG und DSGVO ist das ein wichtiger Schritt, auch wenn der Mutterkonzern OpenAI in den USA sitzt und damit der CLOUD Act relevant bleibt.
Microsoft 365 Copilot
Copilot für Microsoft 365 ist in den bestehenden Microsoft-Verträgen inklusive AVV enthalten. Die Datenverarbeitung läuft über den jeweiligen Microsoft-Tenant. Für KMU, die bereits Microsoft 365 nutzen, ist das der rechtlich am schnellsten etablierbare Weg. Copilot Free dagegen ist wie ChatGPT Free nicht für Geschäftsdaten geeignet.
Lokale und Schweizer Modelle
Wer den rechtlich sichersten Pfad sucht, betreibt ein Open-Source-LLM (Mistral, Llama, Qwen) auf eigener Infrastruktur oder auf Schweizer Hosting. Die Daten verlassen die eigene Umgebung nicht. Nachteile: Modelle wie Llama 3.3 70B oder Mistral Large 2 liegen je nach Aufgabe unter GPT-4o-Niveau, der Betrieb braucht technisches Know-how und die Kosten liegen bei dauerhafter GPU-Miete höher als bei SaaS-Zugang. Lokale Modelle sind je nach Anwendungsfall sinnvoll, die Modellqualität und der Betriebsaufwand entscheiden im Einzelfall.
CH-Hosting-Alternativen
Schweizer Hosting-Anbieter haben auf den KI-Druck reagiert. Drei Anbieter werden oft genannt, ihre Angebote unterscheiden sich aber erheblich.
| Anbieter | Angebot | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Infomaniak | AI Tools und kChat Assistant, Hosting in eigenen Rechenzentren in Genf. Nutzt Open-Source-Modelle (Llama, Mistral). | Aus einer Hand: Modell, Hosting, Support in der Schweiz. Qualität unter GPT-4, für viele KMU-Aufgaben ausreichend. |
| Hostpoint | Hosting und Managed Services in Rapperswil. Kein eigenes LLM. Geeignet als Infrastruktur für selbst betriebene KI. | Reine Hosting-Basis. Wer selbst ein Open-Source-LLM deployen will, findet hier CH-Infrastruktur. |
| Green.ch | Rechenzentren in Lupfig und Zürich. Fokus auf Colocation, Managed Cloud, ISO 27001 zertifiziert. | Enterprise-Infrastruktur für KI-Deployments, die im Hintergrund als Backbone arbeitet. |
Keine dieser Alternativen ersetzt ChatGPT 1:1 für alle Aufgaben. Für sensible Verarbeitungen sind sie aber ein realer Weg, vor allem in regulierten Branchen. Konkrete Preise ändern sich laufend und sollten direkt beim Anbieter geprüft werden.
Branchenbeispiele: was zusätzlich zu prüfen ist
Das revDSG gilt für alle. Einige Branchen haben jedoch zusätzliche Pflichten, die beim KI-Einsatz beachtet werden müssen.
Treuhand und Finanzbranche
Treuhänder unterliegen dem Bankkundengeheimnis bei entsprechender Tätigkeit (Art. 47 BankG) sowie dem Berufsgeheimnis nach den kantonalen Regelungen. Mandantenspezifische Buchhaltungsdaten, Lohnabrechnungen und Steuerakten in ChatGPT Free einzugeben ist datenschutzrechtlich und berufsrechtlich heikel. Praxis: Enterprise oder Copilot mit AVV, dokumentierte Policy, keine Mandantennamen und AHV-Nummern in Prompts.
Rechtsberatung
Das Anwaltsgeheimnis nach Art. 321 StGB ist strafrechtlich geschützt. Mandantendaten in ChatGPT Free zu geben kann den Tatbestand der Verletzung des Berufsgeheimnisses erfüllen. Die Sanktion reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Für Anwaltskanzleien heisst das: Free und Plus sind grundsätzlich tabu für Mandatsarbeit. Alternativen: Enterprise mit AVV, lokale LLMs, Pseudonymisierung vor Eingabe, explizite Mandantenzustimmung.
Medizin und Gesundheitswesen
Patientendaten sind besonders schützenswert (Art. 5 lit. c revDSG). Das Arztgeheimnis nach Art. 321 StGB gilt analog zum Anwaltsgeheimnis. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat 2024 und 2025 Empfehlungen zum KI-Einsatz in der Medizin publiziert. Kernpunkt: Patientenidentifikatoren dürfen ohne Pseudonymisierung nicht in Cloud-KI. Zusätzlich greift bei medizinischen Geräten mit KI-Komponenten die Heilmittel- und Medizinprodukteregulierung.
Human Resources
Bewerbungsdossiers, Lohndaten und Performance-Beurteilungen sind Personendaten im Sinne des revDSG, oft auch besonders schützenswert (Gesundheitsdaten in HR-Kontext, gewerkschaftliche Zugehörigkeit). Automatisierte Einzelentscheidungen nach Art. 21 revDSG brauchen besondere Vorkehrungen. Wer KI für Bewerber-Screening einsetzt, muss das transparent machen, manuelle Überprüfung sicherstellen und die Logik offenlegen können. Nach EU AI Act (ab August 2026) ist HR-KI zudem als Hochrisiko-System klassifiziert, mit entsprechenden Dokumentationspflichten.
Die 7-Punkt-Compliance-Checkliste für KMU
Diese Liste ersetzt keine Rechtsberatung, gibt aber eine strukturierte Ausgangsbasis für den eigenen Status-Check.
- Verarbeitungsverzeichnis erstellen oder erweitern. KI-Tools als eigene Bearbeitungstätigkeit eintragen: Zweck, Datenkategorien, Empfänger, Aufbewahrung, Drittlandtransfer, AVV-Referenz.
- Tool-Inventar mit Datenschutz-Bewertung. Welche KI-Tools nutzt das Team tatsächlich, nicht nur offiziell. Schatten-KI ist ein realistisches Problem. Pro Tool: AVV vorhanden, Standort, Trainingsnutzung deaktivierbar, Kosten.
- Interne KI-Policy schriftlich. Welche Tools sind für welche Datenkategorien zugelassen: öffentliche Daten, interne nicht-personenbezogene Daten, Personendaten. Konkrete Beispiele pro Datenkategorie angeben, nicht nur abstrakte Grundsätze.
- Schulungspflicht nach Art. 4 EU AI Act umsetzen. Seit 2. Februar 2025 verbindlich für Unternehmen im EU-Anwendungsbereich. Dokumentierte Schulung, mindestens jährlich, für alle Mitarbeitenden mit KI-Zugang.
- Transparenz gegenüber Kunden und Mitarbeitenden. Datenschutzerklärung ergänzen: eingesetzte KI-Anbieter, Zwecke, Drittlandtransfer, Opt-out-Möglichkeiten. Bei Chatbots nach Art. 50 EU AI Act auch Kennzeichnungspflicht ab August 2026.
- AVV abschliessen oder auf AVV-fähige Pläne wechseln. Bei OpenAI, Microsoft, Google, Anthropic die Geschäftskonditionen aktivieren. Free- und Plus-Pläne für Geschäftsdaten ausschliessen.
- Incident-Response für KI-Datenlecks. Was passiert, wenn ein Mitarbeitender versehentlich Kundendaten in ChatGPT Free eingibt. Meldung an EDÖB innerhalb vertretbarer Frist, Dokumentation, Betroffenen-Information bei hohem Risiko (Art. 24 revDSG).
KI-Reputationsanalyse in einer DSG-konformen Strategie
KI-Sichtbarkeit messen ist der externe Spiegel. Wer nicht weiss, wie ChatGPT das eigene Unternehmen beschreibt, kann es nicht verbessern. Eine strukturierte Analyse fragt in mehreren Sprachmodellen nach dem eigenen Unternehmen, nach Konkurrenten und nach branchentypischen Kundenfragen. Was wird gesagt, was fehlt, was stimmt nicht, woher scheinen die Modelle ihr Wissen zu ziehen.
Diese Messung ist datenschutzrechtlich unkritisch. Es werden nur Unternehmensinformationen verwendet und öffentlich zugängliche Antworten dokumentiert. Der Output fliesst in die externe Sichtbarkeits-Strategie: welche Faktenlücken die Website schliessen muss, welche Quellen im Branchen-Ökosystem ergänzt werden sollten, welche Aussagen zu ungenau sind, um zitiert zu werden. Kombiniert mit einer sauberen internen KI-Policy entsteht eine vollständige KI-Governance: extern sichtbar, intern sauber.
Bombelli Analytics analysiert KI-Reputation von Schweizer Unternehmen in ChatGPT, Perplexity, Claude, Gemini und Google AI Overviews. Die Analyse liefert Rohdaten zu Erwähnungsrate, Sentiment, Kontext und Faktenlücken. Sie ersetzt keine Rechtsberatung zur internen KI-Nutzung, ergänzt aber die strategische Seite. Wer zuerst die Tool-Landschaft sondieren will, findet eine Einordnung unter AI-Visibility-Tools im Vergleich. Details zur Beratung in KI-Beratung Schweiz und KI-Agentur Schweiz.
FAQ: KI, DSG und Schweizer KMU
Darf ein Schweizer KMU ChatGPT Free für Kundendaten nutzen?
Nicht ohne erhebliches Risiko. Ohne AVV fehlt die vertragliche Grundlage nach Art. 9 revDSG für die Auftragsbearbeitung. Für öffentliche oder rein interne nicht-personenbezogene Daten ist Free-Nutzung möglich, für Kunden-, Mandanten-, Patienten- oder Mitarbeiterdaten nicht.
Wann gilt der EU AI Act für Schweizer KMU?
Direkt, wenn KI-Systeme in der EU angeboten werden oder die Ausgaben in der EU genutzt werden. Schulungspflicht nach Art. 4 gilt seit 2. Februar 2025. Das Hauptpaket mit Transparenzpflichten und Hochrisiko-Anforderungen tritt nach aktuellem Stand am 2. August 2026 in Kraft, eine Verschiebung auf Dezember 2027 ist in Diskussion. Auch ohne direkten EU-Bezug ist der EU AI Act ein faktischer Standard, an dem sich Schweizer Kunden und Investoren orientieren.
Was ist der Unterschied zwischen externer KI-Sichtbarkeit und interner KI-Nutzung?
Externe KI-Sichtbarkeit bedeutet, dass Sprachmodelle das eigene Unternehmen in Antworten erwähnen. Es fliessen keine Kundendaten zu den KI-Anbietern. Interne KI-Nutzung bedeutet, dass Mitarbeitende KI-Tools im Arbeitsalltag einsetzen und dabei potenziell Personendaten übermitteln. Das ist der datenschutzrechtlich heikle Teil. Beide Fragen gehören in dieselbe KI-Governance, werden aber mit unterschiedlichen Instrumenten gelöst.
Gibt es DSG-konforme Schweizer Alternativen zu ChatGPT?
Teilweise. Infomaniak bietet seit 2024 AI Tools mit Hosting in Genf, basierend auf Open-Source-Modellen. Hostpoint und Green.ch bieten Hosting-Infrastruktur für selbst betriebene LLMs. Die Modellqualität liegt bei Open-Source-LLMs je nach Aufgabe unter GPT-4o. Für einfache Textarbeit, Zusammenfassung, Übersetzung oft ausreichend. Für komplexe Analysen und kreative Aufgaben häufig nicht. Die Entscheidung ist ein Abwägen zwischen Datenhoheit und Modellqualität.
Was kostet ChatGPT Enterprise und lohnt es sich für KMU?
OpenAI nennt keine öffentlichen Listenpreise für Enterprise, da die Konditionen individuell verhandelt werden. Der Team-Plan kostet laut OpenAI 25 US-Dollar pro Nutzer und Monat bei Jahresvertrag und 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat bei monatlicher Abrechnung (openai.com/business/chatgpt-pricing), das ist aber Änderungen unterworfen. Für KMU mit regulärem Bedarf ist der Team-Plan oft der pragmatische Einstieg mit AVV, für grössere Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen der Enterprise-Plan mit Data Residency, SSO und erweiterten Admin-Funktionen. Aktuelle Preise direkt bei OpenAI prüfen.
Nächste Schritte für Ihr KMU
- Heute: Externer Sichtbarkeits-Check. Fragen Sie ChatGPT: "Welche [Ihre Branche]-Anbieter in [Ihre Region] gibt es?" Erscheint Ihr Unternehmen, in welchem Kontext, mit welchen Fakten?
- Diese Woche: Tool-Inventar. Fragen Sie Ihr Team ehrlich, welche KI-Tools tatsächlich genutzt werden. Schatten-KI dokumentieren, nicht verbieten.
- Dieser Monat: AVV-Status klären. Bei ChatGPT, Copilot, Gemini, Claude die Geschäftskonditionen prüfen und aktivieren oder auf entsprechende Pläne wechseln.
- Nächstes Quartal: Policy und Schulung. Schriftliche KI-Policy verabschieden, Mitarbeitende schulen (Art. 4 EU AI Act), Verarbeitungsverzeichnis aktualisieren.
- Laufend: KI-Reputation messen. Quartalsweise in mehreren Sprachmodellen prüfen, wie sich die eigene Sichtbarkeit entwickelt. Mehr dazu auf unserer Services-Seite.
Disclaimer
Dieser Artikel ist informativ und ersetzt keine Rechtsberatung. Die dargestellten Einschätzungen zum revDSG, zur DSGVO und zum EU AI Act spiegeln den Stand vom 18. April 2026 und beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen. Konkrete Einzelfälle sollten mit spezialisierten Anwälten, Datenschutzbeauftragten oder direkt mit dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) geklärt werden. Für Fragen zur externen KI-Sichtbarkeit und messbarer Reputation in Sprachmodellen stehen wir zur Verfügung, für Fragen zur rechtlichen Beurteilung der internen KI-Nutzung ist eine juristische Beratung empfehlenswert. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.
Quellen & Referenzen
- Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Bundesgesetz über den Datenschutz (revDSG), in Kraft seit 1. September 2023. fedlex.admin.ch
- Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB): Swiss-US Data Privacy Framework, gültig seit 15. September 2024. edoeb.admin.ch
- Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1689 über Künstliche Intelligenz (AI Act), in Kraft seit 1. August 2024, gestaffelt anwendbar. artificialintelligenceact.eu
- EU AI Act, Art. 99 (Bussgelder): die Sanktionsstufen 35 Mio/7 Prozent, 15 Mio/3 Prozent und 7,5 Mio/1 Prozent sowie die KMU-Regel (jeweils der niedrigere Betrag). artificialintelligenceact.eu/article/99
- OpenAI: Data Residency in Europe (Februar 2025), Speicherung in europäischen Rechenzentren für Enterprise, Edu und API. openai.com/index/introducing-data-residency-in-europe
- OpenAI: Data Processing Addendum (Februar 2024), vertraglich verfügbar für Business, Team, Enterprise und API. openai.com/policies
- OpenAI: ChatGPT-Preise für Business und Enterprise (Team 25 US-Dollar bei Jahresvertrag, 30 US-Dollar monatlich). openai.com/business/chatgpt-pricing
- Infomaniak: AI Tools und kChat Assistant, Genfer Rechenzentren. infomaniak.com/de/ai-tools
Für die Sichtbarkeits-Analyse verarbeiten wir ausschliesslich öffentliche Informationen: die Fragen, die Ihre Kunden der KI stellen, und Ihre öffentlich zugänglichen Website-Inhalte. Keine Mandanten-, Kunden- oder internen Daten. Reports liegen auf Schweizer Servern, DSG-konform.
- ein, zwei Modelle zu einem einzigen Zeitpunkt
- eine Momentaufnahme, die morgen schon anders aussieht
- einen groben Eindruck, aber keinen Vergleich und keine Priorisierung
- die Messung über mehrere Modelle, Sprachen und Märkte, laufend statt einmalig
- belastbare Rohdaten als Excel, pro KI-Antwort nachvollziehbar
- einen priorisierten Massnahmenplan, den Sie sofort umsetzen
- und das alles, ohne dass Sie selbst messen müssen
Wie spricht ChatGPT über Ihr KMU?
Unsere KI-Reputationsanalyse zeigt, in welchem Kontext Ihr Unternehmen in ChatGPT, Perplexity, Claude und Google AI Overviews genannt wird. Sie erhalten die Rohdaten zu Erwähnungsrate, Sentiment und Kontext. Die Analyse ist datenschutzrechtlich unkritisch, weil nur öffentliche Unternehmensinformationen verwendet werden.