
KI-Sichtbarkeit messen: So tracken Sie, ob ChatGPT Ihr Unternehmen empfiehlt
Wer nicht misst, weiss nicht, wie ChatGPT, Claude oder Perplexity das eigene Unternehmen darstellen. Dieser Guide zeigt die relevanten Metriken, praktische DIY-Tests und ab wann professionelles AI Monitoring Sinn macht.
Unternehmen messen ihre Google-Rankings auf die Kommastelle. Wie ChatGPT über sie redet, wissen die wenigsten. Und genau da entscheidet sich gerade viel: ChatGPT hat rund 800 Millionen wöchentliche Nutzer (Stand Ende 2025), die Google AI Overviews laufen seit dem 26. März 2025 auch in der Schweiz, und Perplexity kommt auf etwa 45 Millionen im Monat. Wer dort nicht vorkommt, verliert Sichtbarkeit, ohne es zu merken.
Die gute Nachricht: KI-Sichtbarkeit ist messbar. Ich mache das jeden Tag, und ich zeige Ihnen hier, worauf es ankommt und wie Sie den ersten Teil selbst prüfen, ohne einen Franken auszugeben.
Fangen wir bei dem an, was man überhaupt misst. Für mich sind es fünf Dinge. Das erste ist die Erwähnungsrate: Wie oft fällt Ihr Name, wenn die KI eine typische Kauffrage Ihrer Zielgruppe beantwortet? Wird Ihr Unternehmen in drei von zehn Antworten genannt, sind das 30 Prozent, ein Wert, mit dem man arbeiten kann. Das zweite ist die Position: Stehen Sie zuerst oder als Fussnote, und auf welche Seite Ihrer Domain verweist die KI? Eine Auswertung von 8000 KI-Zitationen zeigt, dass 82,5 Prozent auf tief verschachtelte Unterseiten zeigen und fast nie auf die Startseite. Ihre Unterseiten sind also wichtiger als Ihre Homepage, was die meisten überrascht.
Das dritte ist die Quellenattribution: Verlinkt die KI Sie überhaupt? Perplexity tut das fast immer, ChatGPT nicht, Google AI Overviews mal so, mal so. Das vierte ist das Sentiment, der Ton: "X ist eine der führenden Adressen" ist etwas anderes als "X ist eine Option unter vielen". Und das fünfte, gerade für uns in der Schweiz zentral, ist die Sprache. Ihre Sichtbarkeit auf Deutsch kann völlig anders aussehen als auf Französisch. Wer dreisprachig verkauft und nur Deutsch prüft, misst ein Drittel.
Den ersten dieser Punkte, die Erwähnungsrate, können Sie heute Nachmittag selbst testen. Der Weg ist simpel, nur bei drei Dingen müssen Sie streng sein, sonst messen Sie Müll. Erstens: ausgeloggt oder im privaten Fenster. Sonst zieht die Personalisierung Ihre eigene Nutzungsgeschichte rein, und wer sein Unternehmen ständig selbst anschaut, bekommt es auch angezeigt. Zweitens: pro Frage ein neuer Chat, weil jede vorige Frage sonst als Kontext auf die nächste wirkt. Drittens, und das ist der Punkt, den fast alle vergessen: jede Frage mindestens dreimal stellen. Dieselbe Frage liefert von Mal zu Mal andere Antworten. Eine einzelne Nennung ist eine Stichprobe, kein Befund.
Damit sind wir schon bei der Grenze der Handarbeit. Nehmen Sie zehn Fragen, drei Durchläufe, drei KI-Systeme, dann sitzen Sie bei 90 Antworten pro Runde. Genau da höre ich mit der Handarbeit auf und messe systematisch: rund 120 Prompts über fünf KI-Systeme, drei Varianten pro Frage, wöchentlich über vier Wochen, Temperatur und Seed pro Durchlauf dokumentiert. Nicht weil mehr immer besser ist, sondern weil erst die Wiederholung aus einem Zufall ein Muster macht.
Ein zweiter Wert lohnt sich, und der liegt schon in Ihrem Analytics-Konto. Die Erwähnungsrate sagt, ob die KI Ihren Namen nennt. Ob daraufhin jemand klickt, sagt Ihnen der Verweis-Bericht. In Google Analytics 4 finden Sie das unter Akquisition bei der Sitzungsquelle, in Matomo bei den verweisenden Websites. Filtern Sie nach chatgpt.com, perplexity.ai, gemini.google.com, claude.ai und copilot.microsoft.com. Ein Wort der Vorsicht: Ein Teil der Klicks kommt ohne Referrer an und landet im Direct-Traffic. Die Zahl, die Sie sehen, ist eine Untergrenze, der echte Wert liegt höher.
Wer misst, will wissen, wann sich etwas bewegt. Ehrlich, das dauert. Erste Effekte nach inhaltlichen Änderungen sehe ich in der Grössenordnung von drei bis acht Wochen, deutliche Verschiebungen in der Erwähnungsrate eher nach drei bis sechs Monaten. Das sind Erfahrungswerte, keine Garantie, und sie verschieben sich je nach Branche und Wettbewerb. Wer nach zwei Wochen zum ersten Mal nachmisst und nichts sieht, hat meist einfach zu früh gemessen.
Brauchen Sie dafür ein Tool? Am Anfang nicht. Ein Spreadsheet und dreissig Minuten im Monat bringen Sie erstaunlich weit, und ich rate jedem, so zu starten, statt sofort ein Abo zu kaufen. Ein Tool wird erst sinnvoll, wenn Sie mehr als eine Handvoll Keywords laufend über mehrere Sprachen verfolgen, oder wenn Sie belastbar gegen den Wettbewerb benchmarken wollen. Und ehrlich gesagt geben die meisten Standard-Tools nur "erwähnt ja oder nein" aus, auf Englisch optimiert, ohne Sentiment und ohne zu sagen, was Sie konkret ändern sollen. Für einen dreisprachigen Schweizer Markt ist das oft zu grob.
So sieht ein typisches Vorher-Nachher aus, wie es in meinen Reports steht, hier als Veranschaulichung des Formats: Ein Anbieter wird auf die Frage "Welche Anbieter in dieser Branche gibt es in der Schweiz?" zunächst in null von zehn Durchläufen genannt. Nach gezielter Arbeit an Inhalten und Struktur sind es vier von zehn. Nicht spektakulär, aber der Unterschied zwischen unsichtbar und im Rennen.
Der Punkt am Ende ist einfach: Wer misst, kann handeln. Wer nicht misst, verliert Sichtbarkeit, ohne es zu bemerken, und merkt es erst, wenn die Anfragen ausbleiben. Fangen Sie klein an, mit fünf Fragen und einem privaten Fenster. Der Rest ergibt sich daraus.
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